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Kann die Corona-Krise auch eine Chance sein?

Wenn ich mir freiwillig einen Platz für diese Krise aussuchen könnte, würde ich mir Deutschland aussuchen!


Deutschland ist wie viele andere Länder der Welt massiv von der Corona Krise getroffen, aber Deutschland ist gleichzeitig auch das Land der „Hidden Champions“ – der „geheimen Weltmarktführer“. Nahezu 50% aller 2.700 „Hidden Champions“ weltweit, kommen aus Deutschland. Diese Champions bilden unser wirtschaftliches Rückgrat. Von den 40 Mio. Arbeitnehmern in Deutschland, arbeiten fast 30 Mio. Arbeitnehmer bei ihnen und sogenannten Kleinen Mitteständischen Unternehmen (KMU).


Unsere Produkte setzen weltweit absolute Maßstäbe und sind qualitativ das Beste, was der Markt zu bieten hat. Die Hidden Champions sitzen vorzugsweise im Maschinenbau, Elektronik, Medizintechnik und der Metallindustrie. Ihre Produkte werden seit Jahrzehnten - manche sogar seit der Zeit nach dem letzten Weltkrieg - ständig verbessert. Sie sind spitze in inkrementellen Veränderungen und Verbesserung ihrer Produkte und Methoden.


Aber wie viele dieser Weltmarktführer haben denn auch die Digitalisierung und die damit einhergehende Verschiebung der Wertschöpfung in Richtung Service und Software bereits verstanden? Unternehmen wie Amazon, Google, Apple, Facebook, AirBnB, Uber, oder auch Tesla, haben sich als Plattformen bereits etabliert und dabei ganze Märkte aufgemischt.


Wie viele dieser disruptiven Ansätze haben wir in Deutschland denn schon groß gemacht? Wie viele „Digitale Hidden Champions“ haben wir denn, außer der SAP und der Software AG, bereits hervorgebracht?

Deutschland, ein Land der „Beharrer“ und Gegner von Veränderungen? Wann fangen wir und unsere „unbekannten Champions“ endlich an, auch in digitaler Wertschöpfung zu denken? Software & Service-Geschäftsmodelle, zumindest als Ergänzung unserer bestehenden Produkte und Wertschöpfung, zu denken? Zudem die Chancen der Digitalisierung für Arbeiten von Zuhause – sogenannte „Home-Offices“ - zu nutzen? Denn die Unternehmenskulturen sind noch sehr hierarchisch, oft sogar noch sehr patriarchalisch – von agilen Organisationen oder gar Netzwerkorganisationen keine Spur. 


Hier könnte das Corona Virus ein wichtiger Impulsgeber werden. Auf einmal wird verstanden, dass Arbeiten von Zuhause eine Alternative zur Arbeit im Büro ist. Dass man statt Arbeitsausfall, auch mit dezentralen und verteilten Organisationen arbeiten kann. Dass nicht jedes Meeting auch eine Reise bedeuten muss. Dass Informationssysteme, die Cloud und der Zugriff auf Daten im Unternehmen für alle Mitarbeiter, zwingende Voraussetzung für verteiltes Arbeiten, Delegieren und funktionierende Prozesse, auch in Zeiten von Corona sein werden. Dass das Internet, digitalisierte Dokumente, Workflow-Systeme, Videokonferenzen und Konferenz-Calls „das Unbekannte“ möglich machen.

Wie so vieles im Leben rächt sich jetzt das Versäumte und in diesem Fall, dass der Ausbau unseres Netzes bisher keine besonders hohe Priorität besaß. Es wurde eben in der Vergangenheit nicht genug verstanden, dass Daten das „neue Gold“ sind und somit das Netz die Infrastruktur unseres zukünftigen Wohlstandes sein wird, so wie in der Vergangenheit z.B. Straßen, Flüsse, Schienen und Flughäfen. Nur die Unternehmen werden auch am zukünftigen Wohlstand teilhaben, die über Zugang zum Netz mit ausreichender Bandbreite verfügen. Mit Geschwindigkeiten von 2 Mbit werden Antwortzeiten zu lange, Videokonferenzen nervig, digitale Wertschöpfung und digitale Geschäftsmodelle unmöglich. Damit bleibt die Hoffnung, dass die Corona-Krise nicht als Katastrophe im Sinne von Vernichtung verstanden wird, sondern als wichtiger Wendepunkt in unserem Verständnis von Ökonomie, Ökologie und unserer Gesellschaft.


Es liegt an uns Allen, welche Chancen wir für uns und unsere Gesellschaft jetzt ergreifen.